s’Hippigspängschtli» im Schulzimmer


Reportage von Paul Schawalder (Text und Bilder / W & O ) | Bildergalerie >> hier klicken

Peter Reber, der weltweit bekannte Schlagersänger, er, der mit der Gruppe «Peter, Sue und Marc» eine grosse Karriere machte, er, der alleine weiter sang und mit dem «Hippigspängschtli», mit «Grüeni Banane» und mit dem «Schmutzliblues» Gross und Klein erfreut, kam für eine Stunde von Bern nach Sax. Fast zufällig. Weil Radio Ri-Moderator Werner Plüss das angebotene Interview nicht im Radiostudio, sondern in seiner Schulklasse machen wollte. So kam es, dass für ein Mal nicht nur Werner Plüss, sondern eben auch die Schüler die Fragen stellten. Ein paar Stunden später konnten sich die Schüler in der Radio-Ri-Sendung «Werners Schlagerwelt» selber hören.

Wie das sei, mit der eigenen Tochter zusammen zu singen und aufzutreten, wollten die Kinder wissen. Peter Reber tritt neuerdings mit Nina, seiner 12-jährigen Tochter, vor das Mikrofon und ist begeistert, wie das auch seiner Nina gefällt. Nina, die in den Jahren des «Weltenbummels» der Familie Reber vier Jahre nach Sohn Simon auf die Welt gekommen ist. Aus dieser Zeit stammen auch die Plattenalben «Grüeni Banane», «Jede bruucht sy Insel», «Dr Sunne entgäge» oder auch «Uf em Wäg nach Alaska». In der Antwort auf die Frage nach seinem Lieblingslied verglich Peter Reber eine Familie mit vielen Kindern, welche die Eltern alle gleichsam gerne haben. Die Schüler von Werner Plüss wollen noch mehr wissen. Fragen über Fragen muss der 1949 geborene Peter Reber über sich ergehen lassen – «selber Schuld», hatte er doch seinen ersten TV-Auftritt in der 60er-Jahren und ist seither im Musik- und Unterhaltungssektor ständig präsent.

Die Kinder hören andächtig zu, wenn Reber die Entstehungsgeschichte des «Hippigspängschtli» erzählt oder von seinen aussergewöhnlichen Erlebnissen mit seinem Segelschiff «Cindy» auf hoher See. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit jedoch stürzen sich die Schüler auf den Sänger, um ein Autogramm zu ergattern. Auf Etuis, Hefte und auch auf Autogrammkarten verteilt Reber in aller Ruhe seine Unterschrift und kann auch mithören, wie manche Kinder für ihre Eltern ein Autogramm holen. Das kommt davon, dass der Schlagersänger aus dem Bernbiet Idol der schon älteren Generation ist.

Dann sitzen sie wieder ganz ruhig im Kreis und hören zu, wie Werner Plüss die Aufzeichnung mit Zwischenmoderationen ergänzt. Auch Lieder werden aufgenommen. Während dieser Minuten ist Ruhe im Schulzimmer nicht mehr nötig. Die Kinder benützen diese Zeit mit Kommentaren, Bemerkungen oder Zwischenrufen. Peter Reber ist jedoch sehr erstaunt und zugleich hoch erfreut, wie die Schüler bei ihnen wohl bekannten Liedern mitsingen. So holt er spontan seine Gitarre und beginnt mit den Kindern zu singen. Der Umgang mit seinen kleinen Zuhörern ist für den studierten Psychologen kein Problem. Mit witzigen Gesten und spannenden Liedtexten begeistert er die Kinder und kann mit wenigen Worten verständlich machen, wie ein Lied entsteht. Manche Lieder komponiert er, wie er sagt, innert kurzer Zeit, bei anderen müsse er schon ein bisschen länger am Klavier sitzen und Noten schreiben.

Peter Reber gilt als der populärste Liedermacher und Dialektsänger der Schweiz. Für seine Produktionen erhielt er bis heute mehr als 20 Gold- und Platinauszeichnungen. Aus seiner Feder stammen alle grossen Erfolge des beliebten Trios «Peter, Sue und Marc». So steht es in einer Broschüre von «Das Beste aus Readers Digest», die der Künstler zusammen mit der Autogrammkarte an die Schüler verteilte. Und schon wollen die Kinder wissen, ob er wieder einmal mit Sue und Marc zusammen singen werde. Das sei nicht mehr möglich, weil Marc zum Beispiel seine markante Stimme verloren habe, sagt Reber. Die Kinder lassen nicht nach mit Fragen. Sie erfahren, wie Peter Reber zum Singen und zum Segeln kam. Beim Abwaschen sei in seiner Familie gesungen worden. Beim Camping sei die Gitarre stets dabei gewesen. Hier liege der eigentliche Ursprung seiner musikalischen Laufbahn. Als Gymnasiast ist Peter Reber ans Atlantic College in Wales gekommen, wie er sagt. Dort habe er sich zugleich zum Lebensretter (Life Guard) und zum Bootsführer ausbilden lassen. Er sei nach drei Jahren nicht nur mit der Matura, sondern eben auch als fast fertig ausgebildeter Seemann in die Schweiz zurückgekehrt. Mit diesem Rucksack an Ausbildung und Erfahrung wagte sich Reber dann zusammen mit seiner Frau auf hohe See mit seiner Segeljacht «Cindy». Auch bei der Frage nach den «grünen Bananen», wie das Lied «Grüeni Banane» zustande kam, strahlt Reber und erzählte, wie es mühsam gewesen sei, für diese Produktion einen Plattenvertrieb zu finden, weil er doch für Auftritte und Interviews wegen der Weltreise in der Karibik nicht zur Verfügung stand. Ein halbes Jahr später, dem Hurrikan «Lilly» knapp entkommen, wie er sagt, erfährt er in Venezuela am Telefon vom grossen Erfolg seiner neuen Lieder in Europa. Eine grosse Fiesta sei dann in der venezolanischen Hafenkneipe, wo er ankerte, die Folge gewesen.

Eigentlich seien die grünen Bananen für ihn schicksalhaft gewesen, sagt Reber. Eine ganze Staude grün gekauft, in der Hoffnung, dass sich laufend gereifte Früchte entwickelten und zwei Wochen nichts passierte zwang Reber, sich ständig mit den grünen Bananen zu beschäftigen, bildeten sie doch ein Stück Nahrungskette auf dem Schiff. Der Funke sprang über und es gab die erste Solo-Produktion. Es war die Fortsetzung einer Karriere, die ihn nach vielen Jahren nun zum Radio-Interview nach Sax ins Schulzimmer von Werner Plüss führte. Peter Reber kam Punkt halb zwei Uhr und verliess das Schulhaus um Punkt halb drei Uhr zwecks Einhaltung des nächsten Termins.


Die Audios

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